Expertenmeinung zur Pflegereform 2017

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Interview mit Herrn Dr. Zimmermann, Experte im Pflegesektor

Dadurch dass wir unsere Artikel-Reihe zur Pflegereform herausbrachten, bekamen wir viele Fragen und positives Feedback von unseren Lesern – vielen Dank dafür! Da auch Herr Dr. Zimmermann darunter war und uns einen wertvollen Hinweis gab, haben wir die Gelegenheit genutzt und ihn um sein Expertenmeinung gebeten.

Wer ist unser Interviewpartner?

Dr. Zimmermann GF von FamiliaraUnser Interviewpartner Herr Dr. med. Jörg A. Zimmermann wurde in Freiburg geboren und kam beruflich über einige Stationen wie München, New York, Köln und Leipzig letztendlich nach Berlin, wo er nun seit sieben Jahren lebt und arbeitet. Nach seinem Medizinstudium arbeitete er als Arzt in der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und wurde danach für ein paar Jahre Aufsichtsrat in einem börsennotierten Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik. Aus diesem Unternehmen nahm Herr Dr. Zimmermann viele Erfahrungen und Ideen mit, die sich als Dienstleistung sehr gut im Pflegesektor anwenden lassen.

Zitat: “Ich habe mich deswegen schon damals intensiv mit dem Leistungsrecht der gesetzlichen Pflegeversicherung beschäftigt. Mir wurde schnell klar, dass die Pflegebedürftigen und ihre Familien oft völlig unzureichend über die ihnen zustehenden Leistungen informiert sind und es wenig konkrete Unterstützung
bei der Durchsetzung dieser Ansprüche gibt. Das wollte ich ändern“.

Jetzt leitet und gründet Herr Dr. Zimmermann bereits seit über 15 Jahren Unternehmen im Gesundheits- und Pflegemarkt, darunter die „PflegeBox“ und „Familiara“. Wir freuen uns sehr darüber, dass er dem Interview zustimmte und Zeit für uns fand.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen! Wer mag, kann es auch gerne mit seinen Kontakten teilen.

Expertenmeinung zur ambulanten Pflege

ACIO: Wir stellen uns die Situation wie folgt vor: Die pflegebedürftige Person hat am Begutachtungstag zur Einstufung durch den MDK „einen guten Tag“ und erhält so einen niedrigeren Pflegegrad, als er eigentlich benötigen würde.

Frage:
Wie sollten Pflegebedürftige bzw. pflegende Personen bei der Beantragung der neuen Pflegegrade am besten vorgehen?

Dr. Zimmermann:
Das Problem phasenweiser oder tageszeitlicher Schwankungen, die dann zu falsch niedrigen Einstufungen führen, kennen wir, neben der Demenz, auch aus anderen Situationen. Viele Grunderkrankungen, z. B. der Morbus Parkinson, aber auch bestimmte Dauermedikationen haben einen stark wechselnden Einfluss auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Insofern sollte man im Vorfeld einer Begutachtung sehr genau beobachten, ob und in welchem Umfang diese Schwankungen vorkommen. Hilfreich ist sicher auch, mögliche Unterschiede über einen gewissen Zeitraum in einem Pflegetagebuch zu dokumentieren. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass diese Schwankungen während der Begutachtung durch den MDK zur Sprache kommen.

Frage:
Sollte der Pflegebedürftige zu niedrig eingestuft worden sein, was sollten die nächsten Schritte sein?

Dr. Zimmermann:
Zunächst sollte man von einem Fachmann prüfen lassen, ob die Beurteilung im MDK-Gutachten korrekt ist. Wir stellen bei der Überprüfung dieser Gutachten leider immer wieder fest, dass pflegerelevante Umstände nicht ausreichend gewürdigt und der tatsächliche Hilfebedarf der betroffenen Person falsch beurteilt wurde. Auch im neuen System, bei dem die Einschränkungen der Selbstständigkeit eines Menschen beurteilt werden sollen, wird dies nicht anders sein.

Wenn klar ist, dass bei der Begutachtung Fehler gemacht wurden, sollte man innerhalb der gesetzlichen Frist von einem Monat ab Zugang des Bescheides zunächst einen formlosen Widerspruch einlegen. Wir empfehlen dazu immer den Schriftweg per Einschreiben.

Sehr wichtig ist es, eine detaillierte Widerspruchsbegründung zu erstellen. Liefert man nämlich keine fachliche Begründung für den Widerspruch, kann die Kasse nach Aktenlage – ohne erneute Begutachtung der Person – entscheiden. Dies sollte man in jedem Fall vermeiden, weil ein Widerspruch ohne fachliche Begründung in der Mehrzahl der Fälle abgelehnt wird.

Die Widerspruchsbegründung sollte möglichst immer von einem Fachmann gemacht werden. Hier geht es im Wesentlichen darum, das Gutachten Punkt für Punkt anzugreifen und in Frage zu stellen. Nur so kann man den MDK davon überzeugen, eine erneute Begutachtung anzusetzen, um das Erstgutachten nochmals kritisch zu überprüfen.

Wenn man absolut sicher gehen möchte, im „zweiten Anlauf“ alles richtig zu machen, sollte man für das gesamte Widerspruchsverfahren einen Profi beauftragen. Das beinhaltet dann auch die persönliche Begleitung im erneuten Begutachtungstermin. Eine solche Leistung ist mit einer gewissen finanziellen Investition verbunden, rechnet sich aber, wenn man nach einem erfolgreichen Widerspruch rückwirkend Geld von der Kasse bekommt.

ACIO: Dadurch dass die Beantragung für Pflegestufen für den/ die Pflegebedürftige/ n oder die/ den Pfleger/ in erstmalig auftreten kann, stellt sich die Frage nach möglichen Unterstützern. Haben Fachärzte eine Möglichkeit generell, v.a. aber bei einer Falscheinstufung, zu unterstützen?

Frage:
Welche Möglichkeiten haben Fachärzte, die pflegebedürftige Person oder die pflegenden Angehörigen zu unterstützen? Gibt es dahingehend mit Einführung des PSG II merkliche Veränderungen?

Dr. Zimmermann:
Leider sind meine ärztlichen Kollegen oft zu wenig über die Möglichkeiten der gesetzlichen Pflegeversicherung informiert. Nach meiner Einschätzung hat sich auch nach Einführung des PSG II nicht viel an dieser Situation geändert. Sie sind daher in den seltensten Fällen gute Ratgeber, wenn es um die Beantragung von Leistungen oder um einen Widerspruch gegen eine vermutete Falscheinstufung geht.

Ich sehe eine wichtigere Rolle der Ärzte im Zusammenspiel der verschieden Akteure in Krankenhaus und Praxis mit externen Unterstützungsangeboten. Ärzte können – oft als erste Ansprechpartner für die Betroffenen – eine gewisse Lenkungsfunktion im „Dschungel der Pflegeversicherung“ übernehmen. Dabei geht es nicht nur darum, den Pflegebedürftigen zu helfen, sondern auch die pflegenden Angehörigen im Blick zu haben, um mögliche gesundheitliche Folgen ihrer oft großen körperlichen und seelischen Belastung frühzeitig zu erkennen.
ACIO: Thema: Geldmittel der ambulanten Pflege zuhause. Wie lange dauert es, bis zum ersten Mal Leistungen aus der Pflegeversicherung gezahlt werden?

Frage:
Wie ist der beste Weg, möglichst schnell Leistungen zu erhalten? Gibt es ein bestimmtes Vorgehen, das ratsam ist?

Dr. Zimmermann:
Das Gesetz legt fest, dass zwischen dem erstmaligen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung und dem entsprechenden Bescheid maximal 25 Werktage – also fünf Wochen – vergehen dürfen. Leider hat der Gesetzgeber diese Frist angesichts der Mehrbelastung von Kassen und MDK durch die Einführung der Pflegegrade ausgesetzt. Wir rechnen deswegen damit, dass man in 2017 etwas länger auf seine Leistungszusage warten muss.

Innerhalb der für alle geltenden Rahmenbedingungen kann man allerdings mit Hilfe professioneller Pflegeberater versuchen, die Abläufe etwas zu beschleunigen und Verzögerungen zu vermeiden. Das trifft insbesondere für Widerspruchsverfahren zu, die sich oft über viele Monate hinziehen.

Frage:
Welche Leistungen kann man Ihrer Meinung nach selbst erledigen, welche sollte besser ein Pflegedienst übernehmen?

Dr. Zimmermann:
Diese Frage muss man immer nach der ganz individuellen Pflegesituation beantworten. Was möchte die betroffene Person? Gibt es Angehörige, die die Pflege übernehmen? Können die Angehörigen eine fachlich korrekte Pflege sicherstellen oder wird ein Pflegedienst gebraucht? Ist auf absehbare Zeit möglicherweise nur noch eine stationäre Pflege in einem Heim möglich?

Entscheidend ist – neben den persönlichen Präferenzen der Betroffenen und möglichen pflegerischen Vorbedingungen – immer auch die Frage, welche Geld- und Sachleistungen zur Verfügung stehen. Letztlich muss die Entscheidung, welche Pflegeleistung selbst erbracht oder „eingekauft“ werden muss, vom zur Verfügung stehenden Budget abhängig gemacht werden. Und weil dieses Budget ganz wesentlich von der Höhe des Pflegegrades abhängt, sollte man in jeder Phase der Pflegebedürftigkeit versuchen, eine möglichst hohe Einstufung zu erreichen.

Frage:
Oder ist doch sinnvoller, die Leistungen für die Pflegesachleistung komplett in Anspruch zu nehmen?

Dr. Zimmermann:
Neben der alleinigen Pflege durch Angehörige (Pflegegeld) und der alleinigen Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst (Pflegesachleistung) gibt es die Möglichkeit der Kombinationsleistung nach § 38 SGB XI. Hier „teilen“ sich Laien und Profis die Pflege. Wenn die zur Verfügung stehenden Beträge für den Pflegedienst nicht ausgeschöpft werden, erhält man ein anteiliges Pflegegeld ausgezahlt.

Fragen zur stationären Pflege

ACIO: Angenommene Situation: Nach einem Krankenhausaufenthalt ist eine Pflegebedürftigkeit gegeben. Es erfolgt eine sogenannte „Schnelleinstufung“ anhand der medizinischen Befunde (natürlich trotzdem durch den MDK) in Pflegegrad 3. Der Pflegebedürftige kommt ins Pflegeheim, wo aber festgestellt wird, dass maximal Pflegegrad 2 nötig ist.

Frage:
Ist es möglich, dass der Pflegebedürftige ausziehen muss, um ambulant gepflegt zu werden, da das Pflegeheim natürlich an Pflegegrad 3 mehr als an 2 verdient? Kann es zu Nachprüfungen kommen?

Dr. Zimmermann:
Oft muss auf dem Wege eines Eilantrages schnell nach Aktenlage über eine vorläufige Pflegebedürftigkeit entschieden werden. Das ist z. B. dann der Fall, wenn nach einem Schlaganfall und nach Abschluss der unmittelbaren therapeutischen Maßnahmen die Versorgung in einer so genannten stationären Kurzzeitpflege sichergestellt werden muss.

Da Leistungen der Pflegeversicherung grundsätzlich nur gewährt werden, wenn die Pflegebedürftigkeit voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen wird, muss die Kasse immer dann eine Nachprüfung ansetzen, wenn mit der Möglichkeit gerechnet werden kann, dass der aktuelle Grad der Pflegebedürftigkeit nicht dauerhaft bestehen wird.

Wenn im Rahmen einer Wiederholungsprüfung bei einem stationären Patienten eine Rückstufung oder sogar eine vollständige Aberkennung der Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, sollte man zunächst die Chancen eines Widerspruchs prüfen lassen. Wenn diese Chancen gering sind, müssen alle Beteiligten über eine Lösungsmöglichkeit sprechen. Ich kenne zwar keinen Fall, bei dem ein Heimbewohner kurzfristig „vor die Tür gesetzt“ wurde, aber eine Rückstufung wird mittelfristig für Betroffene und stationäre Einrichtung zum finanziellen Problem, das gelöst werden muss.

Frage:
Welche Herausforderungen wird es für die Pflegegrade 2 und 3 hinsichtlich der stationären Pflege geben?

Dr. Zimmermann:
Bis Ende 2016 galt: je höher der Pflegegrad bei der stationären Pflege, desto höher die gesetzliche Zuzahlung für die Betroffenen. Das hatte oft zur Folge, dass notwendige Höherstufungen angesichts der finanziellen Mehrbelastung vermieden wurden. Diese Regelung gibt es seit 2017 nicht mehr; die gesetzliche Zuzahlung ist nun für alle Pflegegrade 1 bis 5 gleich.

Aus Sicht eines Pflegeheims ist die abrechenbare Sachleistung bei Pflegegrad 3 gerade kostendeckend; bei Pflegegrad 2 ist es eigentlich ein Minusgeschäft, das über die höheren Pflegegrade 4 und 5 „quersubventioniert“ werden muss. Nach Meinung vieler Fachleute, mit denen ich gesprochen habe, war dies ein Grund für die Intention des Gesetzgebers, die niedrigeren Pflegegrade eher in die ambulante und die höheren Pflegegrade eher in die stationäre Versorgung zu „lenken“. Ob sich in den folgenden Jahren entsprechende Verschiebungen zwischen den beiden Bereichen ergeben, muss man abwarten.

In jedem Fall sollten Betroffene mit einem Pflegegrad 2 oder 3 regelmäßig prüfen lassen, ob eine Höherstufung Aussicht auf Erfolg haben könnte. Und die Betreiber stationärer Einrichtungen werden das, was man früher „Pflegestufenmanagement“ nannte – die regelmäßige Überprüfung der Heimbewohner auf Möglichkeiten der Höherstufung –, sicher deutlich verstärken.

ACIO: Durch die Pflegereform 2017 gilt jetzt noch stärker „ambulant vor stationär“.

Frage:
Wie ist Ihrer Einschätzung nach die Auswirkung der Pflegereform auf die Personal- und Pflegesituation in stationären Einrichtungen?

Dr. Zimmermann:
Ich denke, dass man frühestens in einem Jahr erkennen kann, welche Auswirkungen die verschiedenen Neuregelungen im Rahmen des PSG II hatten. Eine Prognose möchte ich zum heutigen Zeitpunkt nicht machen.

Frage:
Wie sieht die Zukunft der Altenwohnheime/Wohnstifte/Pflegeheime aus? Welche Alternativen gibt es in Zukunft?

Dr. Zimmermann:
Es gibt eine steigende Nachfrage nach alternativen Betreuungs- und Pflegekonzepten, wobei die Flexibilität des Angebotes im Vordergrund steht. Viele Kunden wünschen sich eine größtmögliche Selbständigkeit und Privatsphäre, verbunden mit der Nähe zu pflegerischen Angeboten, wenn diese in der Zukunft benötigt werden sollten.

Einige Anbieter haben darauf in den letzten Jahren reagiert. Ich kenne bauliche Konzepte, bei denen ein Ehepaar zunächst eine gemeinsame Wohnung beziehen und bei Bedarf ambulante Unterstützung in Anspruch nehmen kann. Wenn dieses „betreute Wohnen“ aufgrund einer gesundheitlichen Verschlechterung eines Partners nicht mehr möglich ist, kann die betroffene Person innerhalb des Gebäudes oder des Quartiers intensiver versorgt werden, während der Partner in der Nähe wohnen bleibt. Ich denke, dass diese Konzepte die Zukunft sind.

Frage:
Werden „klassische Altenheime“ weniger oder ist es an der Zeit, ein anderes Geschäftsmodell zu etablieren, bei dem es sich eher um Alten-WGs oder um Mehrgenerationenhäuser handelt?

Dr. Zimmermann:
„Klassische“ Altenheime wird es auch in Zukunft noch geben. Ich denke aber, dass es in Zukunft verstärkt auf Differenzierungsmerkmale ankommen wird. Das kann eine fachliche Spezialisierung sein, aber auch ein thematisches Angebot an die Bewohner. Ich jedenfalls würde für mich selbst zunächst eine Einrichtung bevorzugen, die mir die Möglichkeit gibt, meine persönlichen Hobbys und Interessen intensiv zu „leben“.

Pflege-WGs haben sich, nicht zuletzt aus der wirtschaftlichen Sicht der ambulanten Pflegedienste, längst etabliert; Mehrgenerationenhäuser sind eher noch selten. In jedem Fall werden sich Betreiber stationärer Einrichtungen immer stärker auch für ambulante Angebote öffnen müssen. Nach meiner festen Überzeugung haben Lösungen, bei denen die Grenzen zwischen diesen beiden Sektoren de facto nicht mehr existieren, das größte Zukunftspotenzial.

Wie schätzen Sie die Gesamtsituation mit der Neuen Pflegereform ein?

ACIO: Welche Auswirkung wird die Devise „ambulant vor stationär“ auf die Pflegenden, die Pflegebedürftigen und deren Geldmittel allgemein haben?

Frage:
Wie sehen Sie den Vergleich zwischen der Situation 2016 und der jetzigen Reform?

Dr. Zimmermann:
Kurz gesagt: Das PSG II ist in über 20 Jahren Pflegeversicherung vielleicht die erste Reform, die diese Bezeichnung wirklich verdient. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff hat es einen tatsächlichen Paradigmenwechsel gegeben – weg von der „Minutenpflege“, hin zu einem holistischeren Bild bei der Frage, wie hilfebedürftig ein Mensch in seiner Gesamtheit ist. Mit den 64 Items, die zur Feststellung des Pflegegrades eingeschätzt werden müssen, ist das Begutachtungssystem allerdings auch deutlich komplizierter geworden.

Frage:
Wem hilft das Pflegestärkungsgesetz II wirklich?

Dr. Zimmermann:
In der Theorie all denjenigen, bei denen die mentalen Defizite im Vordergrund stehen: Patienten mit Demenz oder mit psychiatrischen Erkrankungen. Sie haben oft keinerlei körperliche Einschränkungen und waren im alten System der „Minutenpflege“ benachteiligt. Einige Experten befürchten allerdings, dass viele, die bei ihrem Erstantrag im alten System die Voraussetzungen für eine Pflegestufe I erfüllt hätten und heute in Pflegegrad 2 wären, nach den neuen Begutachtungsrichtlinien in den unattraktiven Pflegegrad 1 „abgeschoben“ werden. Ob sich das bewahrheitet, muss die Zukunft zeigen.

Frage:
Wie ist die Stimmung unter den Experten zu dem Thema?

Dr. Zimmermann:
Im Moment spüre ich eine gewisse Nervosität auf allen Seiten. Viele Gutachter des MDK oder von Medicproof fühlen sich im „Neuen Begutachtungsassessment“ noch nicht sicher – oder sind noch nicht einmal ausreichend geschult. Auch unsere Berater und Sachverständige haben bisher nur wenig praktische Erfahrung damit. Wir haben uns allerdings seit einem Jahr intensiv vorbereitet und sind zuversichtlich, dass sich die allgemeine Unsicherheit bald legen wird.

Frage:
Die Leistungen für ambulante Pflege haben sich verbessert. Sind sie aber auch ausreichend für eine vollständige, zufriedenstellende Pflege?

Dr. Zimmermann:
Sicher gibt es eine gewisse positive Korrelation zwischen der Höhe der Leistungen und der Zufriedenheit der Betroffenen mit Ihrer Situation. Anders ausgedrückt: Eine in der subjektiven Einschätzung zu niedrige Einstufung, verbunden mit entsprechend geringeren Geld- und Sachleistungen, wird oft als Geringschätzung empfunden. Letztlich sind es aber viele weiter Faktoren, die über die Frage entscheiden, ob der Einzelne die Pflegesituation als zufriedenstellend wahrnimmt.

Immerhin sind erste Schritte in die richtige Richtung unternommen worden; viele für ambulant Pflegebedürftige wichtige Leistungen haben sich erhöht. Sie sollen auch in Zukunft weiter steigen können, falls die allgemeine Preisentwicklung dies notwendig erscheinen lässt.

Ob die zur Verfügung stehenden Budgets, auch nach Erhöhung der gesetzlichen Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung, ausreichen werden, um den tatsächlichen Bedarf abzufedern, wage ich zu bezweifeln. Ich denke, wir müssen uns irgendwann mit dem Gedanken anfreunden, bis zu fünf Prozent unseres monatlichen Einkommens zurückzulegen, um ein für alle ausreichend finanziertes System der Pflegevorsorge zu erreichen.

ACIO: Nochmals vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Zimmermann.

Unser Fazit:
Wir sind ebenfalls der Meinung, dass Menschen, die pflegebedürftig sind oder werden, durch die von der Pflegeversicherung zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichend versorgt werden können. Der Staat fängt nur einen Teil der Belastungen auf und die zusätzliche Unterstützung von Dienstleistungen wie denen der Firma „Familiara“ oder einer privaten Pflegezusatzversicherung sollte daher in Anspruch genommen werden.

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Einbruchdiebstahl, die richtige Absicherung

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Einbruchdiebstahl – Optimal vorbereitet und abgesichert

Immer häufiger machen sich Diebe durch einen Einbruchdiebstahl am Eigentum anderer zu schaffen, indem sie in ein fremdes Haus oder eine fremde Wohnung einsteigen und den dortigen Hausrat entwenden. Im Jahr 2015 gab es mehr als 170.000 Einbrüche sagt die Statistik. Um den eigenen Schaden in Grenzen zu halten, gibt es verschiedene Sicherheitsmaßnahmen gegen Einbruchdiebstahl. Zusätzlich sollte auf den Schutz durch eine Hausratversicherung nicht verzichtet werden. Außerdem ist es hilfreich, wenn man weiß, wie man sich in solch einem Fall richtig verhält. Wie Sie sich schützen und welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um präventiv gegen Einbrüche vorzugehen, erfahren Sie in dem nachfolgenden Artikel. Nutzen Sie den Ratgeber als Information für sich oder geben Sie ihn an Bekannte weiter.

Ratlosigkeit nach einem Einbruch muss nicht sein

Einbruchdiebstahl Schützen Sie sich richtigTim W. wohnt in einem Appartement in einem Mehrfamilienhaus. Er kommt aus dem Urlaub zurück und bemerkt an seiner Wohnungstür ungewöhnliche Spuren. Die Erholung einer schönen Reise ist schnell dahin, da er erkennt, dass es sich um Einbruchsspuren handelt. Als Herr W. die Wohnung betritt, sorgt das Chaos für die traurige Gewissheit. Alle Schränke und Schubladen sind durchwühlt und schon wird deutlich sichtbar, dass bei dem Einbruchdiebstahl auch zahlreiche Gegenstände entwendet wurden. Der Schock und die fehlende Erfahrung in solchen Fällen sorgen dafür, dass der Bestohlene nicht weiß, wie er sich jetzt richtig verhält oder noch wichtiger, was er unterlassen soll. Zudem steht eine wichtige Frage im Raum: Wer kommt für den entstandenen Schaden auf?

Die Hausratversicherung – Finanzielle Sicherheit bei Einbrüchen

Einen Schaden verhindern kann sie nicht, aber die Hausratversicherung sorgt zumindest dafür, dass man nach dem Schrecken und Ärger durch den Einbruch nicht auch noch unter den finanziellen Folgen leiden muss. Der Name der Versicherung sagt bereits, dass der gesamte Hausrat versichert ist. Da dieser jedoch schwer zu ermitteln ist, gehen die meisten Versicherungen von einem Versicherungswert von ca. 650 EUR je qm Wohnfläche aus. Zu dem Hausrat gehören:

  • · Einrichtungsgegenstände wie Möbel und Teppiche
  • · Gebrauchsgegenstände wie Kleidung
  • · Haushaltsgeräte und Geschirr
  • · Verbrauchsgegenstände wie Vorräte oder auch Wertsachen
  • · Alle Gegenstände in der Garage
  • · Besonders teure Hi-Fi-Geräte, Fernseher oder Fahrräder mit aufnehmen

WICHTIG: Die Hausratversicherung bezahlt bei einer Schadensregulierung den Wiederbeschaffungswert. Dieser Wiederbeschaffungswert umfasst die Kosten, die aufgebracht werden müssen, um gleichwertige Sachen zu kaufen. Der Wiederbeschaffungswert entspricht also im Normalfall und vor allem bei älteren Sachen nicht dem damaligen Kaufpreis.

Die Hausratversicherung erstattet bei der Schadensregulierung neben dem Wiederbeschaffungswert auch Reparaturkosten, Aufwendungen bei Vandalismusschäden und eventuell notwendige Übernachtungskosten bei vorübergehend unbewohnbarer Wohnung.

Tarif berechnen
Einbruchdiebstahl
– Hierbei muss sich der oder die Täter mit einem Hilfsmittel Zugang zu Ihrem Haus oder Ihrer Wohnung verschafft haben. Dies kann zum Beispiel ein Schraubenzieher, eine Brechstange, ein Dietrich oder beispielsweise ein einfacher Tritt, der die Tür sichtbar aus der Verankerung reißt, sein. Wichtig ist hierbei, dass sichtbare Spuren durch den Täter hinterlassen wurden.

Raub – Raub ist sozusagen die Steigerung von Einbruchdiebstahl. Hierbei wird ebenfalls fremdes Eigentum entwendet, jedoch wird dazu Gewalt angedroht oder angewendet. Diese kann entweder körperlich oder psychisch erfolgen. Auch allein die Androhung von Gewalt reicht aus, um den Tatbestand von Raub zu erfüllen.

Vandalismus – Wird sich unbefugt Zugang zu der Wohnung, dem Haus oder dem Objekt (z. B. einer Lagerhalle) verschafft und dabei zwar nichts entwendet, jedoch Schaden angerichtet, spricht man von Vandalismus. Bei diesem Einbruch werden beispielsweise Einrichtungsgegenstände zerstört oder Wände beschmiert.

Wissenswert: Wurde sich durch die Entwendung des Wohnungs- beziehungsweise des Hausschlüssels Zugang verschafft, tritt auch dafür die Hausratversicherung in Leistung. Jedoch gibt es hier natürlich Einschränkungen. Sollte beispielsweise grob fahrlässiges Verhalten des Eigentümers nachzuweisen sein, kann die Versicherung die Leistung kürzen oder gar komplett verweigern.

Diese Pflichten haben Versicherte

In Versicherungsverträgen und im Versicherungsvertragsgesetz sind einige Pflichten festgeschrieben, die im Einbruchsfall berücksichtigt werden müssen. Werden Sie nicht befolgt, läuft die versicherte Person Gefahr, die Versicherungsleistung nur eingeschränkt oder gar nicht ausgezahlt zu bekommen.

Erste Regel: Einbruch umgehend bei der Polizei melden und anzeigen.
Zweite Regel: Die Versicherung sofort informieren
Dritte Regel: Schaden so gering wie möglich halten, demzufolge beschädigte Türen und Fenster provisorisch sichern. Diese Kosten werden oft durch die Versicherung übernommen.
Vierte Regel: Scheck- beziehungsweise Kreditkarten sperren.
Fünfte Regel: Eine sogenannte „Stehlgutliste“ anfertigen und der Versicherung sowie der Polizei aushändigen.

Was ist eine Stehlgutliste

Wer Opfer eines Einbruchs wird, erstellt am besten sofort, nachdem die Polizei die Wohnung nach Fingerabdrücken und Spuren untersuchte, eine Liste mit allen Gegenständen, die gestohlen oder beschädigt wurden. Die Polizei hält ein Musterformular für Sie bereit. Zudem ist es ratsam, teure Gegenstände zu markieren (Gravur oder UV-Stift) und zu fotografieren, um eine Wiedererkennbarkeit zu ermöglichen. Die Stehlgutliste fragt folgende Dinge ab:

  • · Hersteller, Marke, Typ Bezeichnung
  • · Unverwechselbare Merkmale
  • · Individual-Nr., Kennzeichen, Position
  • · Händler, Ort, Kaufdatum
  • · Neupreis
  • · Geschätzter Zeitwert
  • · Vorhandene Belege, Dokumente

Einbruch entdeckt – So verhalten Sie sich richtig

Abgesehen davon, dass man sich die Szenarien eines Einbruchs natürlich nicht wünscht, sollte man sich immer bewusst sein, dass ein Einbruch jeden treffen kann. Doch wie soll man sich darauf vorbereiten? Wir geben Ihnen ein paar Tipps:

Sie werden Opfer eines Einbruchs in der Nacht, liegen im Bett und bemerken Geräusche in der Wohnung oder dem Haus. Wenn sich Ihre Familie ebenfalls in den Betten befindet, sollten Sie sofort die Polizei anrufen und den Einbruch melden, zudem sollten Sie das Gespräch nicht aufhängen, damit die Polizei mithören kann. Danach sollten Sie Ihre Angehörigen und sich in ein Zimmer einschließen und sich lautstark bemerkbar machen. Zusätzlich sollten Sie das Licht einschalten, raten Experten von der Polizei. Einbrecher sind in der Regel nicht gewalttätig, meistens werden sie umgehend versuchen, die Wohnung oder das Haus zu verlassen, um unerkannt zu fliehen.

Gehen Sie nicht auf Konfrontation mit dem Einbrecher

Damit der Einbrecher die Wohnräume so schnell wie möglich verlassen kann, sollten Sie sich ihm nicht in den Weg stellen. Lassen Sie ihm Freiraum, damit der Weg nach draußen möglich ist. Beachten Sie, dass sich ein in die Enge getriebener Täter auch in einen gefährlichen Gegner wandeln kann, da er sein Einbruchwerkzeug als Waffe benutzen könnte. Selbst als geübter Kampfsportler sollten Sie die Konfrontation meiden, da sich ein Mensch nicht, wie bei einem Wettkampf, nach einstudierten Bewegungsmustern bewegt.

Wie man sich in der Einbruchssituation verhält, hat die Polizei-Gewerkschaft für zwei Szenarien zusammengefasst:

Einbruch, während Sie zuhause sind:

  • · Rufen Sie umgehend 110 an.
  • · Machen Sie Licht und Lärm.
  • · Verhalten Sie sich dem Täter gegenüber defensiv,um ihn nicht zu reizen.
  • · Versperren Sie dem Täter nie den Fluchtweg.

Sie kommen nach Hause und bemerken Einbruchsspuren oder den Einbrecher:

  • · Rufen Sie 110 an, melden Sie den Einbruch und legen Sie nicht auf.
  • · Machen Sie sich bemerkbar durch Klingeln an der Wohnungstür und durch Licht anschalten im Flur.
  • · Verlassen Sie danach Ihre Wohnräume umgehend, um nicht dem Täter zu begegnen und eventuell Einbruchsspuren zu verwischen.
  • · Geben Sie dem Täter die Möglichkeit zur Flucht und verhalten Sie sich defensiv.
    Stellen Sie sich dem Einbrecher nicht in den Fluchtweg, um einen Angriff auszuschließen.
  • · Wenn es möglich ist, sollten Sie sich Sie sich auf die Person/en konzentrieren, merken Sie sich Aussehen, Bewegungsabläufe, Größe, Fluchtrichtung, Fahrzeug.

Besteht für den Vermieter die Pflicht zum Einbruchsschutz?

Aufgrund der Tatsache, dass die Zahl der Einbrüche stetig steigt und man daraufhin angeregt wird, über einen effektiven Einbruchschutz nachzudenken, fragen sich Mieter, ob der Vermieter Zuzahlungen leisten muss. Dazu sei zu sagen, dass der Vermieter grundsätzlich keine Zuzahlungen leisten muss und auch gesetzlich nicht dazu verpflichtet wird. Ist ein Mietvertrag unterschrieben und man hat keine Klauseln zum Einbruchschutz vereinbart, etwa das Nachrüsten von Tür- und Fenstergriffen mit Schloss, besteht dazu auch keine Verpflichtung für den Vermieter.

Laut dem Mietschutzverein Frankfurt am Main e.V. sind jedoch Sicherheitsmaßnahmen nachrüstbar, sofern sie nicht die Bausubstanz eingreifen. Zudem müssen diese Maßnahmen auf Verlangen des Vermieters bei Auszug zurück zu rüsten sein. Diese Maßnahmen sind beispielsweise in FFM:

  • · Einbau eines technisch besseren Schlosses
  • · Austausch von abschließbaren Fenster-, Terrassen- und Balkontürgriffen
  • · Einbau eines größeren und stabileren Schließblechs
  • · Anbringung eines Querriegels, der durch ein Extra-Schloss betätigt wird
  • · Einbaus eines Türspions (der Vermieter darf dieses nicht ablehnen)
  • · Etc.

Wer sich vor Einbrüchen schützen möchte, kann mit dem Vermieter auch Umbaumaßnahmen zusammen abstimmen, die der Vermieter dann zahlt. Hierbei sollten Sie jedoch wissen, dass diese Kosten dann auf den Mietpreis anteilig aufgeschlagen werden dürfen.

Kostenlose Präventionsmöglichkeiten:

Schauen Sie sich rund um Ihr Gebäude um, wie die Sicherheitslage ist. Stehen Mülltonnen direkt unter Fenstern, stehen unbenutzte Leitern herum oder gibt es sonstige Materialien, welche Einbrechern das Einsteigen erleichtert? Ist Licht oder ein Bewegungsmelder an uneinsehbaren Stellen angebracht?

Schließen Sie selbst bei kurzem Verlassen der Wohnung oder des Hauses die Fenster und Balkon- oder Terrassentüren. Beachten Sie, dass gekippte Fenster nicht als geschlossen gelten.
Vereinbaren Sie mit Nachbarn, dass während eines Urlaubs auf die jeweiligen Wohnungen geachtet werden. Nutzen Sie Zeitschaltuhren, um eine belebte Wohnung vorzutäuschen. Lassen Sie Ihren Briefkasten regelmäßig leeren und – wichtig im Internetzeitalter – kündigen Sie Ihren Urlaub nicht auf den sozialen Medien an.

Fazit für ein sicheres Haus und die sichere Wohnung

Gegen die steigenden Einbruchszahlen kann man nichts tun, aber man kann sich selber und sein Haus beziehungsweise die Wohnung besser absichern. Kommt es zu einem Einbruch, sollten Sie eine leistungsfähige Hausratversicherung haben, bei der man unbedingt auf einen umfassenden Versicherungsschutz und eine ausreichend hohe Versicherungssumme achten sollte. Beachten Sie die empfohlenen Verhaltensweisen, erhalten Sie nicht nur Ihren Versicherungsschutz, sondern sichern sich und Ihre Familie vor möglichen Übergriffen des Einbrechers ab.

Wichtig sind zudem Vorkehrungen, die die Sicherheit von Haus und Wohnung verbessern. Hier gibt es zum Beispiel den zusätzlich sichernden Querriegel an der Haustür, der es enorm erschwert, eine Tür auch bei aufgebrochenem Schloss zu öffnen. Für eine optimale Wirkung sollte der entsprechende Schließkasten sicher im Mauerwerk verankert sein. Eine weitere Möglichkeit ist auch das Anbringen von Beleuchtungen und Bewegungsmeldern, die dafür sorgen, dass Einbrecher erst gar keine Chance haben, im Dunkeln unerkannt einzusteigen. Halten Sie längere Abwesenheit geheim. Nutzen Sie Zeitschaltuhren für Licht und/oder Rollladen, beauftragen Sie Bekannte zum Öffnen und Schließen der Rollladen und vermeiden Sie überfüllte Briefkästen, die auch eine Abwesenheit vermuten lassen.

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Kieferorthopäden – Sind hohe Eigenanteile Vergangenheit?

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Kieferorthopäden heute: Zahnspangen um jeden Preis

Kieferorthopäden müssen sich keine Sorgen über einen Rückgang der Patientenzahlen machen. Weiße und wohl ausgerichtete Zähne werden gern mit einer gehobenen Stellung in der Gesellschaft in Zusammenhang gebracht, aber sie sind mehr als nur ein Statussymbol. Betont werden vielfach Zusammenhänge zwischen Zahnfehlstellungen und vermehrter Karies und Parodontitis sowie Fehlbelastungen der Muskulatur- abgesehen von den ästhetischen Aspekten. Mit diesem Wissen folgen viele Eltern den Empfehlungen ihrer Zahnärzte und stellen ihre Kinder einem Kieferorthopäden vor.

Weniger Eigenleistungen bei Kieferorthopäden zahlenDas Ergebnis: Mehr als 50 Prozent der 10- bis 14- Jährigen tragen eine Zahnspange, wie in verschiedenen Umfragen ermittelt wurde. Das bedeutet für die Eltern eine zusätzliche finanzielle Belastung in Form von 20 bis 50 EUR Zuzahlung pro Monat für eine durchschnittliche Behandlungsdauer von drei Jahren. Insgesamt fallen circa 3.100 EUR Behandlungskosten pro Fall an. Selbstverständlich wird niemand an der Gesundheit seiner Kinder sparen! Bei der Finanzierung kann eine Zahnzusatzversicherung mit Kieferorthopädie helfen, wofür sich immer mehr Eltern angesichts der finanziellen Herausforderung entscheiden.

Verschiedene Studien legen den Finger in eine offene Wunde: Sie offenbaren die Mängel in der Aufklärung über die Notwendigkeit einer kieferorthopädischen Behandlung und die Behandlung an sich. Bevor die Entscheidung für eine Behandlung fällt, gibt es viele Gründe, sich über deren Dringlichkeit zu informieren und verschiedene günstige Lösungen zu suchen.

Nutzen von Zahnspangen & Co häufig nicht überzeugend

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat Bemerkenswertes zutage gefördert. Nachdem der Zahnarzt das Hinzuziehen eines Kieferorthopäden vorgeschlagen hat, entscheidet jede vierte Familie, dieses auch zu tun. Dabei zeigen sich zu diesem Zeitpunkt oft keinerlei medizinische Probleme mit dem Gebiss. Es war tatsächlich kein vergrößertes Risiko für Karies, Parodontitis oder andere Erkrankungen nachweisbar. Internationale Studien bestätigen diese Tendenz und den Fakt, dass es sich vorrangig um kosmetisch begründete Vorstellungen beim Kieferorthopäden handelt. Trotzdem steigt die Zahl der resultierenden Eingriffe.

Defizite in der Aufklärung von Patienten

Patientensicherheit bei Behandlungen durch KieferorthopädenDer Großteil der Kinder und Jugendlichen war vor der kieferorthopädischen Behandlung beschwerdefrei. In der nationalen wie internationalen Forschung fehlen Belege dafür, dass Zähne, die nicht gerade gewachsen sind, tatsächlich zu vermehrter Karies oder Parodontitis führen. Gibt es also einen messbaren Nutzen?

In den meisten Studien wird kritisiert, dass es an Ehrlichkeit in der Aufklärung mangelt und in der Regel zu früh, zu lange und mit zu hohen Materialkosten behandelt wird. Umfassende Daten, die den Versorgungsbedarf und die Relation von Kosten zum Nutzen widerspiegeln, sucht man vergeblich. Kritische Stimmen aus den Reihen der Kieferorthopäden haben es schwer, die Defizite offenzulegen.

Neue Richtlinien versprechen Besserung

Verschiedene Gremien und Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde haben die Ansprüche der gesetzlich Versicherten neu formuliert. In dieser neuen Vereinbarung (Vereinbarung KFO 2016-11-18) werden die Rechte der Patienten gestärkt. Der Anspruch auf zuzahlungsfreie Behandlungen und eine umfassende Aufklärung wird betont. Wählt der Patient Leistungen, die über die der gesetzlichen Krankenversicherung hinausgehen, sorgen transparente Regelungen für die Planung und Kostenkalkulation der Zusatzleistungen für eine größere Rechtssicherheit. Davon profitieren nicht nur die jugendlichen Patienten, sondern auch die Kieferorthopäden.

 

Infografik PatientensicherheitNahezu 400.000 Kinder und Jugendliche begeben sich pro Jahr in eine kieferorthopädische Behandlung. Die Kosten werden in Abhängigkeit vom Schweregrad der Zahn- oder Kieferfehlstellung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, solange die Korrektur im Kindes- oder Jugendalter erfolgt. Ein kassenärztlich zugelassener Kieferorthopäde entscheidet über den Schweregrad. Die Krankenkasse übernimmt ab einer bestimmten Indikation beziehungsweise bei einem Schweregrad drei (KIG 3) die Kosten für eine sogenannte Regelversorgung.

Bei Grad eins und zwei handelt es sich eher um eine leichte Fehlstellung und damit um ein kosmetisches Problem. Eine neue Vereinbarung zur kieferorthopädischen Behandlung bei Kassenpatienten aus dem Jahre 2016 stellt fest, dass die Regelversorgung ausreichend, wirtschaftlich und dem aktuellen Wissensstand entsprechend ist. Ungeachtet dessen erweitern sich durch die kontinuierliche Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ständig die Behandlungsmöglichkeiten. Über diese Alternativen und deren Kosten sowie die kostengünstige Regelversorgung muss der Kieferorthopäde aufklären. Der anfallende Mehraufwand, beispielsweise für Spangen oder Brackets aus höherwertigem Material, muss vom Versicherten selbst getragen werden.

Tarif berechnen
Fazit: Wie bewältigt man die Rechnung des Kieferorthopäden

Um die finanzielle Belastung durch die Kosten, die sich auf diese Weise nahezu verdoppeln können, zu senken, kann eine entsprechende Zahnzusatzversicherung für Kinder und Jugendliche von Vorteil sein. Die Zahl der kieferorthopädischen Behandlungen wird sich wahrscheinlich trotz der neuen Vereinbarungen nicht deutlich verringern. Für den Einzelfall lassen sich durch eine umfassende Aufklärung natürlich kostengünstige Behandlungsformen finden. Eine zweite Meinung kann helfen, um sich Klarheit über die Notwendigkeit und die Kosten einer Behandlung zu verschaffen.

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Patientensicherheit für KFO Behandlungen

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Infografik Patientenschutz für KFO

Hier erfahren Sie welche Vereinbarungen noch gelten. Dazu folgen Sie bitte einfach diesem Link auf die Seiten des KZBV.

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Pflegereform – Pflegegrade beantragen

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Pflegestärkungsgesetz Teil 3 – Pflegegrade richtig beantragen

Das seit langer Zeit angekündigte neue Pflegereform trat am 1. Januar 2017 in Kraft. Es verspricht spürbare Erleichterungen. Bei einer Pflege zu Hause wird in vielen Fällen mehr Geld zur Verfügung stehen. Wie viel es im Einzelfall ist, hängt von dem Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Aber nicht alle profitieren von der neuen Pflegereform.

Welche Veränderungen müssen beachtet werden? Nach welchen Regeln funktioniert die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit? Wie wird eine Pflegestufe beantragt? Die Reform betrifft Menschen, die durch Angehörige oder durch ambulante Pflegedienste zu Hause gepflegt werden genauso wie jene, die in Pflegeheimen leben. Ein genauer Blick in den Gesetzestext verhindert, dass wichtige Ansprüche übersehen werden.

Trotz der Verbesserungen bleibt weiterhin eine sogenannte Versorgungslücke bestehen. Das heißt, hier sollte zusätzlich zur gesetzlichen Pflegeversicherung vorgesorgt werden, nämlich mit einer privaten Pflegeversicherung.

Die neuen Pflegegrade der Pflegereform

Ab Januar 201Pflegereform Pflegegrade mit Punktevergabe7 gilt ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Pflegebedürftigkeit wird im Pflegestärkungsgesetz neu definiert. Damit ändern sich gleichzeitig die Kriterien für die Begutachtung, wenn Pflegegrade (ehemals Pflegestufen) beantragt werden.

Die wichtigste Neuerung stellt die Erweiterung von bisher drei Pflegestufen auf fünf Pflegegrade dar. Bisher waren die in Minuten angegebenen Hilfeleistungen maßgeblich, auf die ein Bedürftiger für verschiedene Verrichtungen angewiesen ist. Diese Bewertung berücksichtigte hauptsächlich körperliche Einschränkungen. Mit der Einführung der Pflegegrade 1 bis 5 soll jetzt bewertet werden, wie selbstständig eine Person den Alltag meistert.

Begutachtet werden dabei die Fähigkeiten in den verschiedenen Alltagssituationen und Lebensbereichen. Im Ergebnis wird zusammengestellt, welche Handlungen allein bewältigt werden und wobei Unterstützung benötigt wird. Auf diese Weise werden nicht nur körperliche, sondern gleichzeitig geistige oder psychische Beeinträchtigungen erfasst.
Diese Erfassung erfolgt mit Hilfe einer Punktevergabe.

Der neue Pflegegrad 1

Der neue Pflegegrad 1 kommt bei geringen Einschränkungen bezüglich der Selbstständigkeit zur Anwendung. Die betroffenen Personen blieben bisher unberücksichtigt, daher wird dieser Pflegegrad bei Neueinstufungen ab Januar 2017 eingeführt. Alle bereits begutachteten Personen mit einer Pflegestufe werden automatisch in den entsprechenden Pflegegrad übergeleitet.

Bei ausschließlich körperlichen Beeinträchtigungen kommen Pflegebedürftige in den nächsthöheren Pflegegrad. Lag beispielsweise in der Vergangenheit eine Pflegestufe 1 vor, wird ab 2017 der Pflegegrad 2 ausgewiesen, Pflegestufe 2 bedeutet jetzt Pflegegrad 3,
Pflegestufe 3 dann Pflegegrad 4.

Anders verhält es sich bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die also eine Demenz oder psychische Erkrankungen begleitet. Diese Personen werden durch die neue Pflegereform um zwei Grade höher gestuft.

Die bisherige Pflegestufe 0 bedeutet nun für diesen Personenkreis Pflegegrad 2. Die Pflegestufe 1 wird zu Pflegegrad 3, die Pflegestufe 2 mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird dem Pflegegrad 4 zugeordnet.

Der Gesetzgeber hat eindeutig festgelegt, dass durch die Umstellung niemand schlechter als vorher gestellt werden darf. Sollte bei bereits vorliegender Einstufung eine Neu-Bewertung für eine höhere Stufe sinnvoll erscheinen, kann dies unbesorgt geschehen. Selbst bei einer resultierenden Herabstufung wird diese nicht wirksam. Es kommt die bislang bestehende Einstufung weiterhin zur Anwendung, unter Berücksichtigung der sogenannten Besitzstandsregelung.

Wie funktioniert die Einstufung?

Zeichnet sich ab, dass dauerhafte Unterstützung notwendig ist, ist es an der Zeit, einen Antrag an die Pflegeversicherung zu formulieren. Daran wird sich auch durch die neue Pflegereform nichts ändern. Empfehlenswert ist es, mit dem Hausarzt das Vorhaben zu besprechen und um Unterstützung zu bitten. Fällt die Entscheidung während eines Krankenhaus-Aufenthaltes, ist der Sozialdienst der Einrichtung der geeignete Ansprechpartner für das Beantragen der Pflegestufe.

Alle wichtigen Informationen, die den Zustand und den Pflegebedarf belegen, müssen zusammengestellt werden. Dazu gehören Arztbriefe, die die Diagnosen und Befunde enthalten sowie Medikamentenpläne. Suchen Sie den Kontakt zu einem Pflegeberater der Pflegekasse oder zu einem ambulanten Pflegedienst. Sie können zusätzlich wertvolle Ratschläge geben.

Wenn das Antragsformular eingereicht ist, wird der medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) einen Termin zu Hause vorschlagen, zu dem das Pflegegutachten erstellt wird.
Hinweis: Nehmen Sie schon im Vorfeld Kontakt zu einer ambulanten Pflegeeinrichtung auf, die sie am Tag der Begutachtung unterstützen kann.

Das bisher notwendige Pflegetagebuch wird nach der neuen Pflegereform eine andere Rolle spielen. Es dient jetzt nicht mehr als Beleg für die Abrechnungen mit der Pflegekasse, sondern als Beleg für die Pflegebedürftigkeit der betroffenen Person. Wer bei beginnender Einschränkung des täglichen Lebens bereits ein „Pflegetagebuch“  führt, erhält eine Dokumentation, die bei dem Einstufungstermin Hilfe verspricht, teilt  www.familiara.de mit. Der Gesetzgeber ändert die Regelung von der minutengenauen zu einer individuellen Versorgung. Bis dahin angefallene Kosten für die Pflege oder für die Anschaffungen von speziellen Hilfsmitteln sollten als Belege bereitliegen. Sie unterstützen den Antrag und können bei positivem Bescheid auch rückwirkend erstattet werden.

Schritt für Schritt zum Pflegegutachten

1. Wichtige Dokumente sammeln
a. Arztpläne, Befunde, Medikamentenpläne, Pflegetagebuch

2. Antrag zur Pflegekasse ausfüllen
a. Erhältlich bei der zuständigen Pflegekasse

3. Hilfestellung durch einen Pflegeberater
a. Regionale Pflegestützpunkte helfen (http://bit.ly/2iDehnG)
b. Die Beratung ist kostenlos

4. Tag der Begutachtung bei Ihnen zu Hause
a. Ein Pflegeberater kann Sie bei der Begutachtung durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) unterstützen

5. Jetzt heißt es abwarten
a. Besteht eine Pflegebedürftigkeit, sammeln Sie alle Belege der Kosten
b. Ist das Gutachten positiv, reichen Sie die Belege ein
c. Ist das Gutachten negativ, haben Sie einen Monat Zeit für den Widerspruch

Was wird zu Hause bewertet

Pflegereform die häusliche PflegeDas Maß aller Dinge ist der Grad der Selbstständigkeit. Während des Hausbesuchs schätzt der vom MDK bestellte Gutachter den individuellen Bedarf an Unterstützung in sechs unterschiedlichen Lebensbereichen ein. Sie fließen mit verschiedener Gewichtung in das Ergebnis ein. So ist die Beurteilung der Selbstversorgung am wichtigsten. Hinzu kommen Einschätzungen zur Mobilität, der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und der Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen. Der Gutachter vergibt in Abhängigkeit von der Schwere der Beeinträchtigung Punkte gemäß einer Skala von null bis 100, die zur Ermittlung des Pflegegrades herangezogen werden. Dieses System erhielt die Bezeichnung Neues Begutachtungsassessment (NBA).

Welche Leistungen erhält man als Pflegebedürftiger?

Die Leistungen, die dem Pflegebedürftigen pro Monat zustehen, hängen von der Schwere der Beeinträchtigung, also vom Pflegegrad und von der Art der Pflege ab. Sie unterscheiden sich zusätzlich je nachdem, ob eine professionelle ambulante Pflegeeinrichtung zum Einsatz kommt oder ein Angehöriger ambulant pflegt. Des Weiteren verändern sie sich, wenn die Unterbringung dauerhaft in einem Pflegeheim erfolgt. Für diese Leistungen steht der gesetzliche Pflegeversicherung Beitragssatz zur Verfügung. Sofern eine private Pflegezusatzversicherung besteht, können Finanzierungslücken mit diesen zusätzlichen Zahlungen abgedeckt werden.

Ambulante Pflege zu Hause durch Angehörige

Wohnt der zu Pflegende weiterhin in den eigenen vier Wänden und soll ausschließlich ein ambulanter Pflegedienst die Pflege übernehmen, betragen die maximalen Leistungen pro Monat gemäß Pflegestärkungsgesetz beim Pflegegrad 2 (früher Pflegestufe 1) 689 EUR . Besteht der Pflegegrad 3, sind es 1.298 EUR und beim Pflegegrad 4 gibt es 1.612 EUR. Der höchste Zuschuss wird beim Pflegegrad 5 ausgezahlt und zwar 1.995 EUR.

Diese Leistungen können als Pflegesachleistung durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch genommen werden.

Im Fall der Pflege durch einen Angehörigen kann der pflegende Angehörige Pflegegeld beantragen. Die Höhe des gezahlten Pflegegeldes unterscheidet sich je nach Pflegegrad. Bei dem Pflegegrad 2 sind es z. B. maximal 316 EUR monatlich, bei Pflegegrad 3 sind es im Höchstfall 545 EUR.

Ambulante Pflege zu Hause durch Pflegedienste

Erfolgt die Pflege durch professionelle ambulante Pflegedienste, werden sogenannte Pflegesachleistungen in Anspruch genommen. Oft bietet sich die Kombination von professioneller Unterstützung und Pflege durch Angehörige und damit beider Leistungen (Pflegesachleistung und Pflegegeld) an.

Hinweis: Hierbei ist es wichtig, daran zu denken, dass die in Anspruch genommenen Sachleistungen auch im neuen Pflegestärkungsgesetz in die Berechnung des Pflegegeld-Anspruchs einfließen. Werden Pflegesachleistungen angerechnet, reduziert sich das Pflegegeld für den pflegenden Angehörigen entsprechend.

Das bedeutet: Gibt ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 beispielsweise 344,50 EUR seiner gesamten Leistungen von 689 EUR für Leistungen eines professionellen Pflegedienstes aus, entspricht das 50 Prozent. Ihm stehen daraufhin nur noch 50 Prozent des Pflegegeldes für die Pflege durch Angehörige zu. In diesem Fall sind es 158 EUR (50 Prozent von 316 EUR).

Sollten Kombinationsleistungen in Anspruch genommen werden, ist die gewählte Aufteilung für mindestens sechs Monate bindend.

Im der Pflegereformz sind darüber hinaus die Voraussetzungen für besondere Zahlungen festgelegt. Zusätzliche Leistungen können Pflegebedürftige für teilstationäre Tages – oder Nachtpflege in Anspruch nehmen. Diese ergänzt die häusliche Pflege durch pflegende Angehörige.

Ist der Angehörige kurzfristig verhindert oder im Urlaub, kann eine sogenannte Verhinderungspflege als Ersatz einspringen. Für diese können ebenfalls Leistungen beantragt werden. Ein Entlastungsbetrag von 125 EUR ist ebenso, wenn auch zweckgebunden, möglich.

Stationäre Pflegeaufwendungen

Bei einer vollstationären Pflege in einem Heim sind die Leistungen, mit Ausnahme des Pflegegrades 3, höher als bei der häuslichen Pflege. Sie steigen außerdem mit jedem Pflegegrad. Dabei ist der eigene Anteil des Pflegebedürftigen konstant und unabhängig vom Pflegegrad. Dieser Eigenanteil der pflegebedürftigen Person variiert jedoch mit dem Standort und der Ausstattung des Heims.
Auch wenn die Leistungen mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz höher ausfallen, wird unter dem Strich immer ein zu zahlender Eigenanteil übrig bleiben. Dieser übersteigt nicht selten die finanziellen Möglichkeiten der pflegebedürftigen Person. Eine spürbare Hilfe für die Betroffenen kann eine private Pflegezusatzversicherung sein, die die Finanzierungslücken schließt oder verringert.

Möglichkeiten zum Einspruch bei Falscheinstufung des Pflegegrades

Nicht jede Begutachtung führt zur Anerkennung des gewünschten Pflegegrades. Wenn die Entscheidung nicht zufriedenstellend ausfällt, sieht die Pflegereform ein Recht auf Widerspruch
vor.

Die Voraussetzungen für einen Widerspruch:

Der Widerspruch muss innerhalb der Frist von einem Monat wahrgenommen werden. Es genügt zunächst, ein Schreiben ohne Begründung aufzusetzen und es als Fax oder Brief an die Pflegekasse zu senden. Ein Widerspruch per E-Mail wird nicht anerkannt.

Darauf sollten Sie besonders achten:

Üblicherweise ist dem Ablehnungsbescheid das Pflegegutachten beigefügt. Da ein Recht auf Einsicht besteht, sollte eine Kopie angefordert werden, wenn es fehlt. Sollte ein Widerspruch notwendig sein, kann damit eine schlüssige und ausführliche Argumentation erarbeitet werden. Die Begründung für einen Einspruch kann folgende Einwände beinhalten:

• Es sind nicht alle Diagnosen berücksichtigt worden
• Zusätzliche Belege sollten ergänzt werden

Eine weitere Begründung kann sein, dass der Begutachtete an dem Begutachtungstag in sehr guter Verfassung war und daher der Termin keinen typischen Tagesablauf dargestellt hat.

In der Antwort der Pflegekasse ist entweder ein zweiter Begutachtungstermin oder eine erneute Ablehnung enthalten. Im ersten Fall bietet sich eine zweite Chance, um sich noch besser vorzubereiten.

Achtung: Der bestellte Gutachter muss ein anderer als beim ersten Mal sein.

Wird dem Antrag auch beim zweiten Mal nicht stattgegeben, ist ein erneuter Widerspruch vor dem Widerspruchsausschuss möglich. An der Sitzung, die über den entsprechen Fall verhandelt, können die Betroffenen oder deren Angehörige teilnehmen. Verweigert der Widerspruchsausschuss die Anerkennung, bleibt nur noch der Gang zum Sozialgericht.

Bei einer privaten Pflegepflichtversicherung können die Einwände nicht über den Widerspruchsausschuss vorgebracht werden. Privat Pflegepflichtversicherte können bei ablehnender Zweitbegutachtung direkt vor dem Sozialgericht klagen.

Die Verhandlung vor dem Sozialgericht ist stets kostenlos und Sie können sich selbst vertreten. Nachteil: Das Verfahren zieht sich in den meisten Fällen über eine lange Zeit hin.

Ergänzende Informationen für pflegende Angehörige

Wer einen Angehörigen pflegt, hat unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Fortzahlung des Rentenbeitrages durch die Pflegekasse.

Die Bedingungen dafür sind:
Der Pflegende ist regelmäßig mehr als 14 Stunden wöchentlich pflegend aktiv, darf nicht mehr als 30 Wochen-Stunden erwerbstätig sein und es muss bei der pflegebedürftigen Person mindestens der Pflegegrad 2 vorliegen.

Steuervorteil:
Wird eine zusätzliche private Pflegeversicherung abgeschlossen, können die Kosten als allgemeine Versorgungsaufwendungen in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Fazit:
Durch die Pflegereform werden die tatsächlichen Kosten für den Pflegeaufwand nicht ausreichend gedeckt. Trotz des erhöhten Pflegesatzes bleiben immer noch erhebliche Kosten an dem Pflegebedürftigen oder den Angehörigen hängen.

Für die Pflegegrade 2 und 3 haben sich die Leistungen für die stationäre Pflege sogar verringert. Eine zusätzliche private Pflegeversicherung kann im Falle einer Pflegebedürftigkeit die Situation deutlich verbessern.

Das passende Modell für eine private Zusatzversicherung können Sie mit diesen Hintergrundinformationen besser ermitteln und einschätzen.

Wichtig: Sie können eine private Pflegezusatzversicherung nur dann abschließen, wenn noch keine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Für eine bereits bestehende Pflegebedürftigkeit kommt unter Umständen eine Pflege-Bahr Versicherung in Betracht.

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