Lebensversicherungen und die Finanzkrise

Die Finanzkrise ab 2008 hat die Betreiber von kapitalgedeckten Versicherungen massiv unter Druck gesetzt. Während einige Versicherungen mehr oder weniger unbeschadet aus der Finanzkrise gekommen sind, traf es britische Lebensversicherungen besonders hart. Die Financial Times Deutschland titelte jüngst „Keine Entwarnung bei britischen Lebensversicherungen“. Der Schaden, der durch die Finanzkrise ausgelöst wurde, ist noch lange nicht überwunden. Haben diese Gesellschaften zeitweise Renditen von über 12% versprochen, bleiben diese Zahlen bis auf Weiteres unrealistisch.

Noch vor wenigen Jahren haben britische Lebensversicherungen mit immensem Kapitalzuwachs geworben. Die Finanzkrise hat auch die britischen Versicherungsgesellschaften nicht verschont, im Gegenteil: Die traditionsreichen britischen Gesellschaften haben massive Einbußen hinnehmen müssen. Dagegen mehr oder weniger unbeschadet von den Turbulenzen der Finanzmärkte haben die deutschen Lebensversicherungen ihren Versicherten eine solide Anlagemöglichkeit geboten. Sie haben zwar nicht mit imposanten zweistelligen Prozent-Zahlen geworben, aber neben der garantierten Verzinsung von 2,25 % konnten sich die Besitzer einer deutschen Lebensversicherung im letzten Jahr über eine Überschussbeteiligung von über 4% freuen.

Der Grund dafür liegt in der Konzeption der deutschen Lebensversicherungen. Der Gesetzgeber hat betont risikoreiche Anlageformen von der Altersvorsorge ausgeschlossen. Zugrunde liegt dafür speziell in Deutschland die Erfahrung von zwei Währungskrisen und auch der Börsenkrise rund um das Jahr 2000, die als „dot.com- Krise“ bezeichnet wurde. Das Finanzwesen in Großbritannien ist anders geregelt. Es ist nicht ausschlaggebend, ob die Anlage selbst risikoreich ist, sondern die Bonität der Finanzgesellschaft steht im Vordergrund. Wer eine britische Lebensversicherung abgeschlossen hat, hat demnach Glück im Unglück. Es ist auf keinen Fall mit einem Vermögensverlust zu rechnen, aber die Gewinne werden nicht so spektakulär ausfallen, wie es die Versicherung möglicherweise versprochen hat.

Auf keinen Fall sollten sie eine britische Lebensversicherung vorzeitig kündigen, denn die vollen Gewinne zahlt eine britische Lebensversicherung erst gegen Ende der Laufzeit aus. Im sogenannten Smoothing werden Teile der Gewinne zurückgehalten, um Turbulenzen der Finanzmärkte ausgleichen zu können. Wer jetzt überhastet eine britische Lebensversicherung kündigt, zementiert seine Verluste dauerhaft.

Wenn sie eine Lebensversicherung abschließen möchten, kann dieser Schritt auch als Geldanlage lohnenswert sein, denn die Renditen einiger Lebensversicherungen können sich mitunter sehen lassen. Es fallen zwar keine spektakulären Gewinne an, weshalb „Anlagefreaks“ Lebensversicherungen als Vermögensanlage uninteressant ansehen würden. Dafür ist man von herben Gewinneinbußen, wie nach der Finanzkrise verschont geblieben.