Aktuelle Veröffentlichung um Hausarzt zu stärken

Was hält uns fit und gesund? Auf diese Frage hat jeder seine persönliche Empfehlung: Mittags schlafen, viel Bewegung und frische Luft oder Fasten gehören zu den möglichen Tipps. Gemeinsam an diesen Empfehlungen ist, dass ein erfülltes und stimmiges Leben als Grundlage für Gesundheit bis ins hohe Alter angesehen wird. Die Ärztin und Buchautorin Marianne Koch – sie praktizierte jahrzehntelang als Internistin – gibt sich kritisch, was das Urteil über das aktuelle Gesundheitswesen angeht. Die sprechende Medizin und der Hausarzt werde mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Stattdessen wird auf teurere und aufwendigere diagnostische Medizin gesetzt. So äußerte sich die Autorin in einem Interview mit der MainPost, anlässlich der Veröffentlichung ihres aktuellen Buches.

Gespräche zwischen Ärzten und Patienten werden zu oft vernachlässigt

Zu dieser Aussage passen die Bestrebungen ein Hausarztmodell in der gesetzlichen Krankenkasse zu etablieren. Positiv ist die Rolle des Hausarztes als wichtige Bezugs- und Vertrauensperson in allen Fragen rund um die Gesundheit hervorzuheben. Statt den Hausarzt in jeder Hinsicht zu stärken, wird er in diesen Hausarztmodellen ausgerechnet bei einigen wesentlichen Entscheidungen eingeschränkt. Die Kompetenz des behandelnden Arztes dahin gehend beschnitten, als das nicht mehr in jedes Krankenhaus eingewiesen werden und auch nicht zu jedem Facharzt überweisen werden kann.

Dies ist insofern ein Problem, als das nicht im Vordergrund steht, welche Kompetenz und Erfahrung die weiter behandelnden Ärzte und Einrichtungen haben sollten, sondern dass lediglich aus Gründen der Kostenersparnis an Vertragsärzte der jeweiligen Krankenversicherung weiter überwiesen wird. Kritiker befürchten, dass auf Dauer Ärzte zu diesen Vertragsabschlüssen genötigt werden sollen, diese Hausarztmodelle zu unterstützen, damit auch weiterhin Patienten zu Ihnen überwiesen werden. Auch leidet die sprechende Medizin in diesem Fall: Anstatt ein Gespräch mit den Patienten zu führen, kommen auf die Vertragsärzte absurde bürokratische Auflagen hinzu, etwa ein Datenaustausch mit der Krankenkasse via Standleitung, was einem vertrauensvollen Verhältnis zu dem Patienten nicht einträglich ist.

Aus diesen Gründen lohnt es sich für Versicherte einer gesetzlichen Krankenversicherung, den Wechsel in ein Hausarztmodell genau zu überdenken und sich keinesfalls vorschnell zum Wechsel in ein solches Programm nötigen zu lassen. Aufschlussreich ist es, sich die Honorierung der Ärzte im alten China zu vergegenwärtigen: Gezahlt wurde nicht für einzelne Behandlungen, sondern für die Zeit, in denen es keine Beschwerden gegeben hat. Ob die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen diesen Vorschlag beherzigen würden, sei jedoch dahingestellt.


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